TU Darmstadt gründet neue Graduiertenschule

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17.09.2019

TU Darmstadt gründet neue Graduiertenschule

Fruchtbare Kombination von Life Sciences und Ingenieurwissenschaften

Die TU Darmstadt startet zum Wintersemester eine neue englischsprachige Graduiertenschule zu „Life Science Engineering“. Sie wird zunächst bis zu 20 Promovierende aufnehmen und die Natur- und Ingenieurwissenschaften breit verknüpfen. Dafür engagieren sich Forscherinnen und Forscher aus den Fachbereichen Chemie, Biologie, Physik, Elektrotechnik und Informationstechnik sowie Bau- und Umweltingenieurwissenschaften.

Ministerin Angela Dorn präsentiert zusammen mit Prof. Bodo Laube (iNAPO, links) und Prof. Heinz Koeppl (CompuGene, rechts) die Förderbescheide. Bild: Claus Völker
Ministerin Angela Dorn präsentiert zusammen mit Prof. Bodo Laube (iNAPO, links) und Prof. Heinz Koeppl (CompuGene, rechts) die Förderbescheide. Bild: Claus Völker

„Beide Forschungsschwerpunkte wurden mit LOEWE-Mitteln finanziert und am Ende dieser Förderperiode von unabhängigen Gremien positiv bewertet. Auf dieser Grundlage bewilligte die LOEWE-Verwaltungskommission einjährige Auslauffinanzierungen für die LOEWE-Schwerpunkte bis Ende 2019 – das beweist, wie erfolgreich diese interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Lebens-, Naturwissenschaften und Ingenieurwissenschaften funktioniert. Die exzellente Kooperation zwischen iNAPO und CompuGene hat auch entscheidend dazu beigetragen, dass sich an der TU Darmstadt ein Zentrum der Synthetischen Biologie zu formieren beginnt“, sagte Dorn.

CompuGene arbeitet an einer Methode, mit der komplexe genetische Schaltkreise durch die Anwendung ingenieurswissenschaftlicher Prinzipien und computergestützter Verfahren robust entwickelt werden können. iNAPO versucht, die Bau- und Funktionsprinzipien der effizienten biologischen Sensoren, die das Produkt der Evolution sind, zu verstehen und in der Konstruktion von stromleitenden Nanoporen in Festkörpermaterialien nachzuahmen. Als Endprodukt entstehen Sensoren im Nano-Maßstab, die Einsatz in der Analytik und der Biomedizin finden.

LOEWE steht für „Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz“ und ist das zentrale Forschungsförderprogramm des Landes Hessen. Insgesamt hat das Land von 2008 bis 2018 rund 797 Millionen Euro für das themenoffene LOEWE-Programm bereitgestellt. In diesem Jahr beträgt das LOEWE-Budget rund 60 Millionen Euro.

„Die neue Graduiertenschule und ihr thematischer Schwerpunkt passen bestens in das Profil der TU Darmstadt“, sagte TU-Präsident Professor Hans Jürgen Prömel. „Bereits in vielen internationalen Forschungskollaborationen und erfolgreichen Projekten hat die Universität bewiesen, dass in der immer engeren Kombination von Life Sciences und Ingenieurwissenschaften erhebliche innovative Potentiale stecken, um neue Lösungen für zukünftige Herausforderungen zu finden.“

„Ziel der internationalen Graduiertenschule ist, hervorragende Absolventinnen und Absolventen mit naturwissenschaftlichem oder ingenieurwissenschaftlichem Abschluss für die TU Darmstadt zu gewinnen und ein attraktives interdisziplinäres Forschungsumfeld auf dem Gebiet der angewandten Lebenswissenschaften zu schaffen“, sagte Professor Harald Kolmar, Direktor der Graduiertenschule. „Wir bieten ausgezeichnete Vernetzungsmöglichkeiten und zahlreiche Zusatzangebote wie zum Beispiel maßgeschneiderte Kurse im Rahmen des Promovierendenprogramms Ingenium oder die Finanzierung von Forschungsaufenthalten im Ausland.“

Die Grundlagenforschung in den Lebenswissenschaften legt ein hohes Tempo vor – die Erkenntnisgewinne sind enorm. Auf Basis ingenieurwissenschaftlicher Prinzipien werden chemische und biologische Moleküle entworfen und produziert, sind Eingriffe in Zellen, Zellpopulationen und Organismen möglich, um Funktion, Regulation oder multidimensionales Verhalten in biologischen Systemen zu steuern. Dies eröffnet neue Anwendungsoptionen durch Entwicklung bioinspirierter Wirkstoffe, Materialien, Maschinen oder Verfahren.

An der TU Darmstadt leisten etliche Forschungsteams hierzu seit langem essentielle Beiträge – etwa auf den Feldern der Synthetischen Biologie und Molekularen Medizin. Die TU Darmstadt ist international sichtbar und ausgewiesen auf den Feldern der Synthetischen Genetischen Schaltkreise und der Funktionalisierung Ionen-leitender Nanoporen – nicht zuletzt auf der Grundlage von zwei Forschungsschwerpunkten, die im Rahmen des hessischen Exzellenzprogramms LOEWE gefördert werden. Andere Arbeitsgruppen beschäftigen sich mit maßgeschneiderten Biomolekülen und chemischen Verbindungen, um deren zellulären und organismischen Funktionen gezielt zu verändern. Interdisziplinär wird erforscht, wie mithilfe angepasster Biokatalysatoren Energie gespeichert oder umgewandelt werden kann und sich neue Wirkstoffe generieren lassen. Teams aus Umweltingenieurwissenschaften, Biologie und Physik analysieren, wie ökologische Netzwerke etwa in Gewässern gesteuert werden können.

Schließlich betreibt die Universität gemeinsam mit dem strategischen Partner Merck KGaA auf dem Campus ein gemeinsames Forschungskooperations-Labor – unter anderem geht es um die Entwicklung kostengünstiger Diagnostika.

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